Zum Inhalt springen

Erste Details zum Porsche Cayenne elektrisch aus Leipzig

Grauer Porsche Cayenne EV Elektro-SUV in moderner Ausstellungsraum-Umgebung, frontal leicht seitlich fotografiert.

In den frühen Morgenstunden in Leipzig öffnete Porsche die Türen seines Experience Centers für eine kleine, ausgewählte Gruppe – ich war dabei –, um einen ersten Blick auf die wichtigsten Details des elektrischen Cayenne zu bekommen.

Die Stimmung war spürbar gespannt, und selbst das typisch wechselhafte Wetter konnte niemanden davon abhalten. Noch handelt es sich nicht um die Weltpremiere, die erst für Ende Oktober angesetzt ist, sondern um einen technischen Workshop, in dem Porsche erstmals konkrete Zahlen, technische Hintergründe und auch den Innenraum des neuen elektrischen Cayenne zeigt.

Damit ergab sich eine seltene Gelegenheit zu verstehen, wie Porsche die Elektrifizierung eines seiner wichtigsten Modelle vorbereitet. Von der Technik bis zur Gestaltung wurde deutlich, was den elektrischen Cayenne künftig auszeichnen soll. Genau darum geht es in diesem Video:

Gleichzeitig stand dieses Treffen in Leipzig in einem gewissen Kontrast zu den jüngsten Meldungen rund um Porsches Weg zur vollständigen Elektrifizierung. Der Hersteller hat eine strategische „Neuausrichtung“ angekündigt: Ziel ist es, bei Modellen, die ursprünglich ausschließlich als 100% elektrisch geplant waren, künftig ein Multi-Energie-Angebot bereitzustellen.

Überraschend ist das kaum – derzeit schlagen die meisten europäischen Hersteller einen ähnlichen Kurs ein.

Leipzig, wo alles begann

Ausgerechnet in Leipzig wurde der Porsche Cayenne im Jahr 2002 geboren – als Modell, mit dem zugleich das Werk eröffnet wurde. Kurz darauf lief dort auch der legendäre Carrera GT vom Band, der den Standort endgültig zu einer Art Heiligtum für Fans machte.

Dass eine Sportwagenmarke einen SUV auf den Markt bringt, galt damals als Wagnis und wurde von vielen als zum Scheitern verurteilte „Häresie“ abgestempelt. Doch wie schon zuvor beim Boxster mussten die Kritiker am Ende zurückrudern.

Zwei Jahrzehnte später wiederholt sich die Geschichte – mit einem ähnlich mutigen Schritt und einer anspruchsvollen Aufgabe: Ausgerechnet jenes Modell, das zum Porsche-Symbol wurde und dem Unternehmen finanziell neuen Rückenwind gab, soll nun auch unter den 100% elektrischen Fahrzeugen erfolgreich zur Referenz werden.

Sadjan Kahn, Mitglied des Vorstands, ließ zum Auftakt keinen Zweifel an der Ambition: „Dieser neue Cayenne wird besser sein als je zuvor. Es ist ein neues Kapitel einer Geschichte, die vor 20 Jahren begonnen hat.“ Das war der Auftakt für einen tiefen Einblick in die Technik.

Der Cayenne war von Beginn an mehr als „nur“ ein SUV – er brachte Technologien und Kennzahlen, die für Porsche prägend waren. 2006 war der Cayenne Turbo S nach dem Carrera GT der stärkste Porsche; 2008 führte der Cayenne GTS eine heute unverzichtbare Modellbezeichnung ein; und 2010 trat der Cayenne S Hybrid als erster elektrifizierter Porsche an.

2017 zog die Cayenne-Produktion nach Bratislava um – dort soll auch der neue Porsche Cayenne elektrisch gebaut werden.

SUV mit Performance eines Supersportwagens

Beim neuen elektrischen Cayenne wirken einige Daten fast unrealistisch. Die endgültigen Werte nennt Porsche noch nicht, um für den Launch alles zurückzuhalten. Klar ist jedoch: Es geht um mehr als 1000 PS Leistung und bis zu 1500 Nm Drehmoment. Damit soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden gelingen und 200 km/h in weniger als acht Sekunden erreicht werden.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt über 250 km/h. Und auch die Anhängelast bleibt bei 3,5 Tonnen – genauso wie bei den Cayenne-Verbrennern.

Mehr Energie auf weniger Raum

Der elektrische Cayenne nutzt eine Batterie mit 113 kWh. Sie besteht aus sechs Modulen mit insgesamt 192 Zellen im Pouch-Format.

Jedes Modul umfasst 32 Zellen und lässt sich einzeln ersetzen – ein Pluspunkt für Reparaturen. Die Zellen kommen von LG aus Südkorea; beim Anodenmaterial setzt Porsche auf Graphit mit sechs Prozent Silizium, dazu einen NMCA-Kathodenaufbau.

Das bedeutet: Nickel, Mangan, Kobalt und – erstmals in einem Porsche-Elektroauto – Aluminium. Die Energiedichte liegt 7% über der des Taycan und benötigt 103 Liter weniger Bauraum. Beim Effizienzgewinn nennt Porsche bis zu 12%.

Meister der Energierückgewinnung

Bei der Rekuperation erreicht der elektrische Cayenne bis zu 600 kW – ein Niveau, das Porsche mit Formel‑E‑Monoposti vergleicht. Im Alltag heißt das laut Marke: Bis zu 97% aller Bremsvorgänge sollen ausschließlich über die Elektromotoren erfolgen können.

Dafür stehen drei Einstellungen zur Wahl: eine moderate Rückgewinnung im Modus On, eine automatische Verzögerung im Modus Auto oder Segeln im Modus Off, der maximale Effizienz priorisiert. Dieser letzte Modus wurde laut Porsche so abgestimmt, dass er dem Gaswegnehmen bei einem Verbrenner möglichst nahekommt.

Unerwartet dynamisches Fahrverhalten

Im elektrischen Cayenne debütiert Porsche Active Ride erstmals in einem SUV – ein System, das wir bereits im Panamera ausprobieren konnten. Die aktive Federung hält die Karosserie beim Bremsen, in Kurven und beim Beschleunigen stabil und waagerecht; das soll sowohl den Komfort auf der Straße als auch die Verschränkung abseits davon verbessern.

Auf drei schnellen Runden auf dem Leipziger Rundkurs ging der Porsche-Testfahrer, der uns chauffierte, äußerst konsequent zur Sache. Nach einem Launch Control, der erst bei 188 km/h endete, folgte eine Vollbremsung – und dabei zeigte sich ein Fahrzeug, das weder stark eintaucht noch die Front anhebt, obwohl die Leistung unmittelbar anliegt.

Das Gesamtbild ist, mangels besserer Worte, überraschend: Kurven im Powerslide und auffällig hohe Grip-Reserven gehörten in dieser Session ebenfalls dazu.

„Ich gehöre zum Testteam des Porsche 911, und als ich diesen Cayenne zum ersten Mal hier in Leipzig auf die Strecke gebracht habe, war ich beeindruckt“
Porsche-Testfahrer

Ein Elektroauto mit Bremsen in dieser Auslegung (siehe Foto) ist selten – vor allem, weil viele E-Modelle beim Verzögern stark auf Rekuperation setzen. Das ist ein Hinweis darauf, dass Porsche überzeugt ist, welche Einsätze und welche Belastungen manche Kunden dem elektrischen Cayenne zumuten werden.

Wie wir erleben konnten, fehlen die Argumente für engagiertes Fahren jedenfalls nicht – selbst auf der Leipziger Teststrecke bei Regen. Ein eher untypisches Umfeld für einen Koloss, dessen Gewicht noch nicht genannt wurde, das aber voraussichtlich über 2,5 Tonnen liegen dürfte.

Motor hinten mit direkter Ölkühlung

Beim elektrischen Cayenne kommt am hinteren, stärksten Motor erstmals eine direkte Ölkühlung zum Einsatz – eine Neuerung, die Porsche direkt aus der Formel E ableitet.

Statt das Öl nur außen am Stator entlangzuführen, wird es nahe an den Kupferwicklungen vorbeigeleitet und nimmt die Wärme dort auf, wo sie entsteht. Diese Lösung soll im realen Betrieb bis zu 98% Effizienz ermöglichen.

So bleibt der Motor kompakt und soll über die gesamte Lebensdauer hinweg besonders robust sein. Porsche verwendet hierfür ein synthetisches Öl, gemeinsam mit Exxon Mobil entwickelt, das nicht gewechselt werden muss.

Laden bis 400 kW oder kabellos

Im Zentrum steht eine 113‑kWh‑Batterie (brutto), die in die Fahrzeugstruktur integriert ist. Das erhöht die Steifigkeit und senkt den Schwerpunkt. Konkrete Reichweitenwerte fehlen noch; Porsche spricht jedoch davon, dass im WLTP-Zyklus mehr als 600 Kilometer möglich sein werden. Im Vergleich zum Taycan gilt auch hier: 7% höhere Energiedichte, 103 Liter weniger Platzbedarf und 12% bessere Gesamteffizienz.

Daran lässt sich gut ablesen, wie stark Porsche die Erfahrungen aus dem Taycan in die nächste Generation überträgt – auch wenn die „perfekte“ Plattform für diese Fahrzeuge um ein weiteres Jahrzehnt verschoben wurde.

Beim DC-Schnellladen nennt Porsche bis zu 400 kW (800 Volt) beziehungsweise 200 kW (400 Volt). Der Sprung von 10 auf 80% soll weniger als 16 Minuten dauern; und in nur zehn Minuten sollen sich mehr als 300 Kilometer Reichweite nachladen lassen.

Zu Hause ist AC-Laden mit 11 kW serienmäßig. Besonderes Augenmerk legt Porsche jedoch auf kabelloses Laden: Der Cayenne wird der erste Porsche mit optionalem Induktionsladen bis 11 kW; das System arbeitet mit 90% Effizienz und ist in Europa für 2026 vorgesehen.

Der digitalste Innenraum bei Porsche

Im Interieur setzt der elektrische Cayenne auf die größte Bildschirmfläche, die es je in einem Porsche gab – 50% mehr digitale Oberfläche als in der vorherigen Generation. Ein gebogenes OLED Flow Display dominiert die Mittelkonsole; damit ist der Cayenne das erste Modell der Marke mit einem vertikal angeordneten Curved-Display.

Dazu kommen ein ebenfalls gebogenes, digitales Kombiinstrument mit 14,25 Zoll (wie bei den neuesten Porsche-Modellen) sowie ein 14,9‑Zoll‑Beifahrerdisplay. Ergänzt wird das Setup durch ein Head-up Display mit Augmented Reality.

Weitere Details zeigen, wie viel Aufmerksamkeit Porsche dem Innenraum widmet. Ein Beispiel ist das, was das Team vor Ort „Ferry Pad“ nennt: eine Handballenauflage unterhalb des gebogenen Displays, inspiriert von einem Foto, auf dem Ferry Porsche seine Hand auf dem Schalthebel eines Porsche 911 abstützt.

Neu sind außerdem flexible Cupholder aus Stoff, eine beheizte Armlehne und Sitze mit dem von Porsche so bezeichneten „Massagesystem 2.0“ – mit 16 pneumatischen Kammern und sechs Aktuatoren, die mit dem Klang der Lautsprecher koordiniert werden (für ein 4D-Erlebnis).

Im Fond gehören elektrisch verstellbare Sitze zur Serienausstattung (vier Wege). Das Kofferraumvolumen liegt je nach Konfiguration zwischen 553 und 781 Litern und wächst mit umgeklappten Lehnen auf 1588 Liter. Das sind mehr als 100 Liter zusätzlich gegenüber dem Porsche Cayenne mit Verbrennungsmotor.

Ebenfalls prägend: das neue Panorama-Glasdach, das in neun Segmenten zwischen opak und transparent wechseln kann.

Gemacht für lange Nutzung und leichter zu reparieren

Porsche betonte in Leipzig ausdrücklich das Thema Nachhaltigkeit. Im Cayenne kommt recyceltes Aluminium zum Einsatz, die Batterie entsteht in Anlagen mit niedrigen Emissionen auf Basis neuer Vereinbarungen mit Zulieferern, und laut Marke sollen 90% des Fahrzeugs am Lebensende recycelbar sein.

Auch Wartung und Instandsetzung wurden so ausgelegt, dass die Lebensdauer verlängert und die Umweltbelastung reduziert wird.

Finale Enthüllung – wann?

Der Leipziger Workshop war nicht nur eine technische Präsentation, sondern auch eine Rückkehr zu den Wurzeln des Cayenne – an genau jenen Ort, an dem 2002 Porsches Wandel begann.

Nun steht der SUV, der die Markengeschichte verändert hat, vor dem nächsten Umbruch – diesmal ohne einen Tropfen Benzin. Zumindest in dieser Variante: Der Porsche Cayenne mit Verbrennungsmotor soll parallel dazu auf unbestimmte Zeit weiter angeboten werden. Die vollständige Vorstellung des Porsche Cayenne elektrisch ist für Ende Oktober geplant.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen