Schubladen, Spektren und Fahrzeugkategorien
Die meisten von uns haben heute das Gefühl, nicht mehr sauber in die alten Raster von Klasse, Herkunft oder Orientierung zu passen. Entsprechend wenig Lust haben wir darauf, dass unsere Eigenheiten in Kategorien gepresst werden. Stattdessen sprechen wir davon, dass Störungen auf einem Spektrum liegen. „Steck mich nicht in eine Schublade; nimm mich, wie ich bin“, sagen wir – und das ist völlig nachvollziehbar. Bei Autos läuft es ähnlich: Früher gab es schlicht Pkw und 4x4. Danach tauchten Crossover auf, irgendwo dazwischen. Inzwischen ist die Landschaft noch viel bunter.
In diese kleine Lücke zwischen Crossover und klassischem Auto schiebt sich der Mercedes GLA. Den Begriff „Cross-Crossover“ kann man sich dabei sparen – man schaut ihn sich einfach so an, wie er ist.
Mercedes GLA: höher als A-Klasse, anders als B-Klasse
Im Kern ist der GLA eine etwas aufgebockte A-Klasse: höhere Sitzposition, erhöhter Blickpunkt. Klingt nach B-Klasse? Eben nicht. Denn die B-Klasse nutzt ihre Höhe vor allem, um mehr Raumgefühl im Innenraum herauszuarbeiten. Der GLA hingegen hebt den Boden an, um ein kleines Plus an Geländetauglichkeit herauszukitzeln.
Dazu kommt: Er wirkt kerniger – für viele vermutlich das eigentliche Verkaufsargument. Die meisten werden ihren GLA als Diesel bestellen, meist mit Allradantrieb, auch wenn Frontantrieb ebenfalls erhältlich ist. Einen Test gibt’s bei TopGear.com. Unterm Strich ist das ein angenehm komfortables und dennoch fähiges Auto.
Mercedes GLA AMG und das Technikpaket des A45 AMG
Hier geht es allerdings um die AMG-Variante – mit demselben animierenden Technikpaket wie beim A45 AMG: ein aufgedrehter 355bhp 2.0-litre Motor, ein 7spd DCT-Getriebe und Allrad. Die Idee eines höheren Hot-Hatch-Ablegers klingt zunächst nach einer schlechten: ein Auto, das wegen des höheren Aufbaus wie ein Gummiball über die Strasse hüpft – kopflastiges Chaos inklusive. Ein Sieg der schlechten Umsetzung über den Ehrgeiz.
Nur: Genau das passiert nicht.
Fahrwerk, Lenkung und die zusätzlichen Zentimeter
Zunächst einmal ist der AMG sogar noch weniger „hochgelegt“, als es der normale GLA ohnehin schon ist. Der Unterschied zur A45 AMG beträgt in der Höhe weniger als 5cm – und ein guter Teil davon geht auf die Dachreling. Schwerer wirkt er ebenfalls nicht.
Clever ist, wie er den zusätzlichen Federweg nutzt: Auf zerfurchten, zusammengekneteten Strassen wird die Fahrt dadurch spürbar geschmeidiger. Die Lenkung setzt Befehle um, ohne Drama zu veranstalten, und man landet nicht in den üblichen Sackgassen aus Untersteuern und Wanken, in denen sich zu viele Crossover ängstlich verstecken. Stattdessen hängt die Bereitschaft zum Eindrehen davon ab, was Bremse, Lenkung oder Gas gerade anfordern – Ingenieursdeutsch für: ziemlich viel Spass.
Turbomotor, Ansprechverhalten und Beschleunigung
Der Vierzylinder-Turbo sprengt die Erwartungen seiner Klasse: Ab 3,000rpm baut er Druck auf und schiesst dann bis an – und frech darüber hinaus – seine 6,250rpm rote Linie. Ausserdem hat Mercedes die Verzögerung ohne Ladedruck gegenüber dem Start des A45 verbessert und das Getriebe spürbar wacher gemacht (diese Änderungen sollen bald auch in den A45 zurückfliessen).
Weil die Traktion so stark ist, profitiert die 0-62mph Zeit davon – und genau deshalb fühlt sich das Auto im Alltag nicht ständig so an, als wäre es 4.8-seconds schnell. Aber ganz ehrlich: Für einen handlichen kleinen Fünftürer bleibt das immer noch verblüffend flott.
Also: Keine Zeit damit verschwenden, zu diskutieren, was es „eigentlich“ ist. Einfach geniessen, was es kann.
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