Mit Einstiegspreisen unter 30.000 Euro ist der Leapmotor B10 ein echtes Pfund im Vergleich zu seinen wichtigsten Rivalen.
Die ersten Exemplare des Leapmotor B10 sind inzwischen auf dem portugiesischen Markt angekommen – und dieses 100% elektrische SUV der chinesischen Marke, die zum Stellantis-Universum gehört, dürfte in den kommenden Monaten noch für viel Gesprächsstoff sorgen.
Im Modellprogramm rangiert er unterhalb des Topmodells C10 (ebenfalls ein SUV) und zwei Stufen über dem Kleinstwagen T03. Damit trifft er genau einen der derzeit gefragtesten Bereiche: das Segment der C-SUV. Dort tummeln sich unter anderem der Landsmann BYD Atto 3 sowie europäische Modelle wie Renault Scenic, Skoda Elroq oder auch der Citroën C5 Aircross.
Gegen diese starke Konkurrenz setzt der Leapmotor B10 auf ein zeitgemässes Design und eine umfangreiche Ausstattungsliste – doch das eigentliche Highlight ist der Preis: Unter 30.000 Euro für die Basisversion mit der kleineren Batterie (56,2 kWh und 361 km) und 160 kW (218 PS) Leistung.
Optisch wirkt er wie ein kleinerer C10. Er ist 22 cm kürzer (4,515 m) und hat 9 cm weniger Radstand (2,735 m). In Breite und Höhe gibt es hingegen nur geringe Abweichungen: 15 mm schmaler (1,885 m) und 25 mm niedriger (1,655 m). Die Bodenfreiheit fällt schliesslich lediglich um 10 mm geringer aus (170 mm).
Viel Platz an Bord
Trotz der kompakteren Aussenmasse merkt man, dass Leapmotor jeden verfügbaren Zentimeter konsequent ausgenutzt hat. Das Ergebnis ist ein spürbar grosszügiger Innenraum – besonders für Passagiere auf den Rücksitzen.
In der zweiten Reihe ist der Fahrzeugboden komplett eben, sodass auch drei Erwachsene ohne grosse Einschränkungen mitfahren können. Im Kofferraum stehen 430 Liter bereit, womit der B10 nur fünf Liter unter dem „grossen Bruder“ liegt. Dennoch bleibt dieser Wert bei vielen Wettbewerbern unter dem üblichen Niveau.
Wenn das Volumen nicht reicht, lassen sich die Rückenlehnen umklappen – dann sind bis zu 1700 Liter möglich. Die Ladekabel verschwinden dabei im frunk, der allerdings nur bescheidene 25 Liter Stauraum bietet.
Am Steuer passt die Sitzposition insgesamt gut, auch wenn sie etwas höher ausfällt als wünschenswert; einige Verstellungen erfolgen elektrisch. Direkt vor dem Fahrer sitzt ein 8,8”-Instrumentendisplay, das verschiedene Informationen sauber darstellt – inklusive Navigation, zum Beispiel.
Für alle übrigen Systeme, Funktionen und Apps bleibt der grosse zentrale Touchscreen im Armaturenbrett zuständig: 14,6” Diagonale bei hoher Auflösung. Zwischen den Vordersitzen bietet die Mittelkonsole zudem zwei grosszügig dimensionierte Ablagen für induktives Smartphone-Laden.
Weniger gelungen ist die fast vollständige Abwesenheit physischer Tasten. So wird etwa die Spiegelverstellung erst über ein Menü aktiviert und dann mit den beiden Lenkradtasten bedient. Und natürlich sind die Schalter für die elektrischen Fensterheber – im Vergleich zu nicht-chinesischen Autos – weiterhin „verkehrt herum“ angeordnet.
Immer europäischer
So klischeehaft es klingt: Dieser neue Leapmotor B10 wirkt deutlich europäischer als man es früher erwartet hätte. Aktuell wird er zwar im chinesischen Werk Zhejiang gefertigt, doch es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die Produktion auch direkt „nebenan“, in Spanien (Zaragoza), anläuft.
Die für Europa bestimmten Leapmotor B10 werden ausserdem auf dem „alten Kontinent“ abgestimmt – auf dem Stellantis-Testgelände in Balocco, Italien. Im Gesamtbild wirken die 18”-Felgen dabei etwas kleiner, als es ideal erscheinen könnte.
Unabhängig davon hätte ich mir bei dem Fahrzeug, das wir fahren konnten, ein komfortableres Abrollen gewünscht: Der Eindruck war eher straff als geschmeidig. Ob sich das bestätigt, lässt sich später in einem ausführlicheren Test sicher besser beurteilen.
Beim Elektroantrieb gibt es zwischen den drei erhältlichen Versionen kaum Unterschiede. Alle leisten 160 kW (218 PS), liefern 240 Nm Drehmoment und sind stets heckgetrieben. Werksangaben: 8s für 0 bis 100 km/h und 170 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Die Abweichungen liegen bei den Batterien, die grundsätzlich eine LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) nutzen. Die Einstiegsversion (Life Pro) hat eine 56,2-kWh-Batterie, lädt mit 11 kW an AC und mit bis zu 140 kW an DC. Die beiden anderen Varianten (Life Pro Max und Design Pro Max) bekommen die grössere Batterie mit 67,1 kWh – genug, um die maximale Reichweite von 361 km auf 434 km anzuheben – und erhöhen die DC-Ladeleistung auf 168 kW.
Das starke Kaufargument des B10
Der Leapmotor B10 ist in Portugal bereits bestellbar und wird in zwei Ausstattungslinien angeboten: Life und Design. In der Life-Stufe sind beide Batterien verfügbar (Pro und Pro Max) – und die Serienausstattung fällt schon hier sehr umfangreich aus.
In der Design-Stufe gibt es ausschliesslich die grössere Batterie, und das Ausstattungsniveau ist so üppig, dass praktisch alles, was man spontan erwartet, sehr wahrscheinlich bereits serienmässig im Leapmotor B10 enthalten ist.
Einen klassischen Schlüssel gibt es zum Beispiel nicht – er wurde durch eine Karte oder das Smartphone ersetzt. Das Panorama-Glasdach gehört in allen Versionen zur Serienausstattung. Trotzdem fällt eine grosse Lücke auf, die man an Regentagen sofort bemerkt: Es fehlt ein Heckscheibenwischer. Und nein, die Aerodynamik gleicht das nicht aus.
Das Beste kommt zum Schluss: Was kostet der Leapmotor B10? Die Basisversion startet bei 29 285 Euro, mit der grösseren Batterie steigt der Preis auf 31 285 Euro.
Wer den B10 möchte, der „alles und noch mehr“ an Bord hat, legt weitere 1500 Euro drauf. Das ergibt 32 785 Euro für ein C-Segment-SUV, 100% elektrisch, mit ordentlicher Reichweite und sehr umfangreicher Ausstattung. Das wirkt nicht wie ein schlechtes Angebot.
Vor allem im direkten Vergleich zur Konkurrenz. Ein Skoda Elroq beginnt preislich knapp unter 35 000 Euro, bietet weniger Leistung, nennt aber eine um 10 km höhere Reichweite als der B10 in der Einstiegsversion. Entscheidend ist: Für dieses Geld lässt sich bereits der B10 in der Topausstattung kaufen – und es bleibt sogar noch etwas übrig.
Offen bleibt nun, wie der portugiesische Markt auf das Angebot einer Marke reagieren wird, die vielen noch relativ unbekannt ist. Dass mit Stellantis ein Schwergewicht dahintersteht, sollte als Pluspunkt zählen – gerade mit Blick auf Vertriebs- und Servicenetz – auch gegenüber anderen chinesischen Marken, die in Portugal ebenfalls noch neu sind.
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