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Xpeng G6: Rekordladen in unter 12 Minuten – wo liegen die Schwächen?

Blauer XPeng G6 Elektro-SUV im Showroom mit Ladestationen im Hintergrund.

Mit einer Ladesession, die in weniger als 12 Minuten erledigt ist, setzt der Xpeng G6 neue Massstäbe bei der Alltagstauglichkeit. Auch beim Komfort spielt er vorne mit, und die Ausstattung ist üppig – bei einem eng kalkulierten Preis. Bleibt die Frage: Wo verstecken sich die Schwächen?

Die Werte, die an der Ionity-Säule auf dem Display stehen, wirken schlicht irreal: Mit 266 kW Ladeleistung bei 71 % Akkustand hat der Xpeng G6 tatsächlich das Zeug, einen vom Stuhl zu hauen. Zum Vergleich: Musterschüler wie ein Tesla Model Y schaffen es bei einem ähnlichen Ladestand kaum, die 100-kW-Marke stabil zu halten. So erfreulich dieses Tempo ist – diese bislang selten gesehene Geschwindigkeit bringt auch ein unerwartetes Problem mit sich …

Vorbei ist der übliche kleine Spaziergang von der Ladesäule zum Servicegebäude, um sich kurz zu stärken. Wenn der Gang zur Toilette dummerweise länger dauert, können Sie sicher sein, dass Sie mit zu vielen Kilowattstunden im Akku zurückkommen. Für Sie an sich angenehm – fürs Portemonnaie jedoch oft schmerzhaft, denn Strom an Schnellladern ist bekanntlich alles andere als günstig.

Das Paradox: warum ich während des Ladens im Xpeng G6 eingeschlossen blieb

Also habe ich mir eine ziemlich schräge Strategie zurechtgelegt, die früher komplett unlogisch gewesen wäre: ein paar Minuten im Auto sitzen bleiben, bis er „fertig“ ist – damit ich nicht unnötig zusätzlichen Strom „mitnehme“. Und das ist auch sinnvoll, denn bei niedrigem Akkustand bricht der Xpeng G6 Rekorde mit 451 kW an DC-Gleichstrom! Genug, um pro Sekunde rund einen Kilometer Reichweite nachzulegen … unfassbar.

Woran liegt’s? An einer neuen 800V-Plattform, die gegenüber dem Vorgänger überarbeitet wurde, der maximal „nur“ 270 kW schaffte. Das Thermomanagement wurde grundlegend neu abgestimmt, um Überhitzung bei hohen Strömen möglichst gut in den Griff zu bekommen. In enger Verbindung mit der Vorkonditionierung des Akkus ist so ein echtes Lade-Monster entstanden, das aktuell das am schnellsten ladende Elektroauto auf dem europäischen Markt ist.

Für 42 990 €: Serienausstattung, die einen Tesla Model Y erröten lässt

Die versprochenen 10 bis 80 % in unter 12 Minuten bedeuten auf der Autobahn fast 250 km zusätzliche Reichweite. Die noch bessere Nachricht: Dieses Blitz-Laden wird nicht mit einem Mondpreis erkauft, denn der Xpeng G6 startet bei 42 990 € in der Basisversion und kostet 46 990 € als unser Testwagen in der Variante Grande Autonomie. Preis und Ladeleistung passen hier so gut zusammen wie bei keinem anderen – und das mit deutlichem Abstand.

Auch die Serienausstattung ist bemerkenswert: Als einzige Option steht die Anhängerkupplung für 1 190 € in der Liste. Alle Versionen bringen serienmässig Assistenz für automatisiertes Fahren, 360°-Kamera, Smartphone-Schlüssel, Sprachsteuerung, Panorama-Glasdach, ein Soundsystem mit 18 Lautsprechern, 20-Zoll-Felgen sowie vorn beheizte und belüftete Sitze mit. In der Grande-Autonomie-Ausführung kommen Nappa-Ledersitze mit Massagefunktion und ein Kamera-Rückspiegel hinzu.

Das Design: so spannend wie ein Vortrag über die Geschichte des Zwiebacks?

Gemessen am Preis ist das ein echtes Angebot. Allerdings muss man sich mit einem sehr braven, wenig charakterstarken Auftritt arrangieren – und mit einem Innenraum, der ungefähr so fesselnd wirkt wie ein Vortrag über die Geschichte des Zwiebacks. Modern und ordentlich verarbeitet ist das, ja, aber eben ohne bleibenden Eindruck. Streng genommen ist vieles klar bei Tesla und weiteren chinesischen Modellen abgeschaut: aussen ein Leuchtband, innen zwei Displays – fertig.

Wer ein Auto nur als Fortbewegungsmittel betrachtet, wird das gelassen sehen. Nerven kann dafür die Bedienung, denn echte Tasten findet man praktisch nur im Dachbereich. Alles andere steckt im 15,6-Zoll-Zentralbildschirm, verteilt über zahlreiche Untermenüs. Wer Fahrassistenten deaktivieren oder die Lüftung einstellen will, muss daher erst einmal ein bisschen „turnen“.

Qualcomm Snapdragon 8155: eine Videospiel-taugliche Oberfläche für den Xpeng G6

Trost spendet die Xmart-OS-Oberfläche, unterstützt von einem Qualcomm Snapdragon 8155, die für schnelle Reaktionen, flüssige Abläufe und saubere Grafik sorgt. Mit den Displays spielen ist das eine – für eine noch tiefergehende Tech-Einordnung überlasse ich das lieber Kolleginnen und Kollegen. Hier sind wir schliesslich im Auto-&-Moto-Kapitel … also: Wie fährt sich der Xpeng G6?

Der Hersteller wirbt mit Komfort dank „NVH (Noise, Vibration, Harshness) High Performance Engineering“. Klingt nach Fachchinesisch, passt aber überraschend gut zur Realität. Ja, der G6 fährt komfortabel, obwohl ihm eine adaptive Dämpferregelung fehlt. Die Abstimmung setzt klar auf Geschmeidigkeit statt Sportlichkeit – unabhängig vom Tempo. Die Lenkung fällt zusätzlich leichtgängig aus, und der Wendekreis ist ordentlich.

25 kWh/100 km: die Kehrseite der Medaille auf der Autobahn

Die Rekuperation lässt sich in mehreren Stufen einstellen. Die stärkste Stufe heisst Xpedal und ermöglicht weitgehend das Fahren ohne Bremspedal – ausser beim Anhalten, denn ein echtes One-Pedal-Driving bietet der G6 nicht. Schade: In der Stadt wäre das grossartig, zumal die Verzögerung kräftig ausfällt. Auf der Autobahn ist die Geräuschdämmung gut, dafür ist der Verbrauch hoch: Bei 25 kWh/100 km, gemessen bei 130 km/h, liegt die Reichweite nur knapp über 320 km. Der Routenplaner überschätzt zudem den Akkustand bei der Ankunft.

Wirklich störend ist das im Vergleich zu Xpilot Assist, der so nützlich ist wie ein Aschenbecher auf einem Motorrad. Kurz gesagt: Das System wirkt am Lenkrad extrem verkrampft – selbst geradeaus, wo die kleinen Lenkkorrekturen ununterbrochen auftreten. In Kurven bremst der Wagen teilweise übertrieben stark ab, nur um die Linie zu halten. Das eigentlich Ärgerliche kommt aber noch.

Xpilot Assist: wenn die künstliche Intelligenz zu viel grübelt und grundlos bremst

Nachts auf der Autobahn kann es zu unbegründeten Bremsmanövern kommen. Unser Negativrekord? Innerhalb weniger Sekunden von 120 auf 78 km/h, obwohl weit und breit kein Hindernis zu sehen war – und zum Glück kein Fahrzeug direkt hinter uns! Unsere Vermutung: Ein KI-unterstützter Xpilot Assist, der zu viel interpretiert und zu viele Annahmen trifft. Beim Fahren ist es manchmal besser, nicht zu lange zu überlegen, sondern schnell zu reagieren …

Auf Landstrassen mit oft lückenhafter Markierung schlägt sich der G6 dagegen ordentlich. Man sollte ihn nur nicht drängen: Agilität ist nicht seine Stärke, genauso wenig wie Seitenhalt – der ist in den Sitzen praktisch nicht vorhanden. Der Sportmodus begrenzt den Schaden immerhin mit kräftigeren Zwischenspurts und einer deutlich satteren Lenkung. An die Dynamik eines Tesla Model Y reicht der Chinese damit aber nicht heran.

Rekord-Innenraum: wie eine durchdachte Konstruktion alles verändert

Im Alltag punkten vor allem die praktischen Qualitäten, denn das Raumangebot ist hervorragend. Breite vorn wie hinten: passt. Die Beinfreiheit im Fond ist aussergewöhnlich. Ein Mitteltunnel fehlt, was dem mittleren Platz zugutekommt, und die Rücklehnen lassen sich nach Wunsch verstellen. Kurz: Platz ist reichlich da. Dank der stattlichen Abmessungen (4,76 Meter Länge, 1,92 Meter Breite und 1,65 Meter Höhe) schluckt der Kofferraum zudem 571 Liter. Die Heizung wirkt allerdings etwas schwach. Immerhin: Eine Wärmepumpe ist an Bord …

Unsere Meinung zum Xpeng G6

Ich persönlich würde passen. Das Design ist viel zu mutlos, und beim Fahren kommt kaum Freude auf. Unterm Strich ist der Xpeng G6 ein ziemlich langweiliges Auto – das ist so. Gleichzeitig ist er ein starkes Werkzeug, das den Alltag verstanden hat: Komfort stimmt, die Praktik ist tadellos, die Ausstattung üppig, die Reichweite solide und das Laden beeindruckend – und das zu einem konkurrenzfähigen Preis. Nur ein paar Kleinigkeiten trüben das Gesamtbild. Wenn ich objektiv bleiben muss, verdient sich der G6 eine sehr gute Bewertung.

  • Würden Sie Ihre heilige Kaffee-Pause für eine Rekordladung in 12 Minuten opfern – oder finden Sie die Idee absurd, zum Abstöpseln zum Auto rennen zu müssen?

Xpeng G6 Grande Autonomie

46 990 €

Urteil

9.0/10

Das gefällt uns

  • Das spektakulär schnelle Laden
  • Der Komfort auf gutem Niveau
  • Das bemerkenswerte Platzangebot
  • Die üppige Ausstattung
  • Der konkurrenzfähige Preis

Das gefällt uns weniger

  • Das automatisierte Fahren sollte nachgeschärft werden
  • Die komplexe Bedienlogik
  • Der Verbrauch auf der Autobahn
  • Die eher zurückhaltende Dynamik

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