Einordnung: Was ist der Volkswagen California?
Was ist das denn?
Hier steht der jüngste Volkswagen California. Mit seinem Namensvetter aus Maranello hat er erwartungsgemäss kaum etwas gemeinsam – schliesslich ist er ein dieselbetriebener Campervan. In gewisser Weise wirkt er sogar heldenhafter als der Fezza: kompromisslos auf seine Zielgruppe ausgerichtet, mit glasklarem Zweck und erstaunlich kluger Raumausnutzung.
Camper auf Van-Basis gibt es natürlich in unzähligen Formaten. VW betont jedoch, dass der Cali der einzige sei, bei dem Küche und Schlafplätze ab Werk in der Fabrik integriert werden – statt erst später durch einen Drittanbieter nachgerüstet zu werden. Dazu kommt eine kaum zu schlagende Tradition: Die Wurzeln reichen bis zu den legendären 21-Fenster-VW-Campern der 1950er-Jahre zurück.
Was ist an der neuen Generation anders?
Also: Was ist neu?
Der California wurde im Kern deshalb aufgefrischt, weil auch die Basis – VWs Transporter – gerade in die sechste Generation gewechselt ist. Optisch hat sich erwartungsgemäss nicht viel verschoben: modernere Scheinwerfer und etwas mutigere Farbtöne, das war’s im Wesentlichen.
Spannender ist, was unter dem kantigen Blech passiert. Es stehen drei Motoren zur Wahl, allesamt 2,0‑Liter-Turbodiesel, mit 100 bhp, 148 bhp und 201 bhp. Bei den beiden stärkeren Varianten lassen sich sowohl Allradantrieb als auch ein DSG-Automatikgetriebe bestellen.
Ausserdem verwischt der Cali die Grenze zwischen Pkw und Nutzfahrzeug stärker denn je. Die Aufpreisliste reicht von einer grossen, edlen Audioanlage über adaptives Fahrwerk bis zu aktivem Abstandsregeltempomat und zeitgemässer Sicherheitstechnik wie Toter‑Winkel‑Überwachung. Wer ein unbegrenztes Budget hat, kann sich damit ein ziemlich nobles Hotelzimmer auf Rädern zusammenstellen. Sogar Apple CarPlay ist an Bord.
Camping-Ausstattung im Detail: Beach und Ocean
Und was ist mit dem Camping-Kram?
In Grossbritannien werden zwei Ausstattungslinien angeboten: Beach und Ocean. Der Beach kommt wahlweise mit fünf oder sieben Sitzen und bringt zwei Doppelbetten mit: eines unten, wenn die Sitze umgelegt sind, und eines im Aufstelldach, das auf den Bildern zu sehen ist. Geschlafen wird dabei erstaunlich gemütlich – eine Standheizung hilft, wenn es draussen kälter wird.
Beim Ocean bleibt es bei der gleichen Schlafplatz-Anzahl, allerdings gibt es nur vier Sitze: Die übrigen Plätze weichen einer kleinen Küchenzeile (zwei Kochstellen, Spüle und Kühlschrank) sowie mehreren Schränken und Staufächern. Zusätzlich fällt die Innenausstattung etwas hochwertiger aus, und der obere Schlafbereich klappt elektrisch aus.
Preislich startet das Ganze bei £37,657 für einen 100‑bhp‑Beach. Am oberen Ende stehen £54,975 für einen 201‑bhp‑Cali Ocean mit Allrad und DSG.
Nutzung und Alltag: warum der Cali statt Wohnmobil oder Wohnwagen?
Das sind ja ein paar Jahrzehnte Ferien im Ausland…
Stimmt. Trotzdem konkurriert der Cali nicht nur mit 20 zweiwöchigen Mallorca-Urlauben, sondern – gemessen an seinen Preisen – genauso mit dem Porsche Boxster.
Man kauft so ein Fahrzeug aber nicht aus Vernunft‑Rechenkunst, sondern wegen der Freiheit: Sachen einladen, losfahren, irgendwohin – ziemlich sicher spontan, „auf den Sprung“, vielleicht mit einem Goretex-Hut auf dem Kopf und irgendeiner Art Lifestyle‑Ausrüstung am Haken.
Und im Vergleich zu einem klassischen Wohnmobil oder dem gefürchteten Wohnwagen wirkt der California deutlich bekömmlicher. Er passt an Feiertagswochenenden eher auf Landstrassen ohne bauliche Trennung – und vor allem lässt er sich verblüffend leicht fahren.
Fahrverhalten, Handling und Einparken
Du willst jetzt nicht ernsthaft über Handling reden, oder?
Vielleicht ein bisschen. Fakt ist: Der Cali baut ordentlich Grip auf und wankt längst nicht so stark, wie man erwarten würde. Wie schnell man Kurven fahren möchte, entscheidet eher der persönliche Wert der Teller im Schrank als seine fahrdynamische Fähigkeit. Auch die Sitzposition ist nicht so streng aufrecht, wie es seine Van-Gene vermuten lassen könnte. Und wer beim Rangieren nervös wird: Sensoren und eine Kamera können das Parken deutlich entspannen.
Motoren, Verbrauch und Antriebe
Und die Leistung?
Der Einstiegsdiesel ist erwartungsgemäss der Champion bei den Betriebskosten: 44.8 mpg kombiniert (entspricht etwa 6,3 l/100 km). Aber seine 19.4 Sekunden von 0–62 mph (0–100 km/h) sprechen eine klare Sprache. Mit 2,5 Tonnen Leergewicht ist er träge – und voll beladen braucht es am Berg spürbar Einsatz.
Sinnvoller ist meist einer der stärkeren Motoren. Die 148‑bhp‑Variante kostet gut zwei Tausend mehr, ist aber mehr als kräftig genug und verbraucht kaum mehr.
Beide Getriebe arbeiten angenehm geschmeidig. Und Calis mit Frontantrieb fühlen sich auf der Strasse nicht anstrengender an als Versionen mit 4Motion – der Rest der Konfiguration hängt also davon ab, wie gelassen man zwischen den Campingplätzen unterwegs sein will und wie weit abseits befestigter Wege diese Plätze tatsächlich liegen.
Wir würden vermutlich den Beach nehmen und für maximale Flexibilität einen mobilen Kocher dazu. Mit sieben Sitzen plus Wurfzelt für zusätzliche Mitfahrer hat man wahrscheinlich auch noch den letzten Tropfen Nutzwert aus einem ohnehin schon ziemlich fähigen „Auto“ herausgeholt.
Bleibt der California ein TG-Held?
Ist der California also weiterhin ein TG‑Held?
Ohne Zweifel. Streng genommen hätte es kein Update gebraucht – stattdessen hat VW die kantigen, van-typischen Ecken weiter abgeschliffen und das Erlebnis nochmals stärker Richtung Pkw geschoben. Er fährt sich kinderleicht und macht Spass, seine vielen cleveren Details zu entdecken, etwa den ausklappbaren Picknicktisch und die Stühle, die in den Türverkleidungen verschwinden.
Wenn dir ein Cali vorher schon nicht einleuchtete, wird er es jetzt auch nicht. Wer das Konzept jedoch versteht, bekommt hier (ausser Mercedes bringt den Marco Polo nach Grossbritannien) das wahrscheinlich petrolhead-freundlichste Campervan-Erlebnis überhaupt. Mehrere Leute im TG‑Büro haben jedenfalls einen eher nüchternen, kantigen Platz in der „Lottogewinn‑Garage“ für genau so einen reserviert. Du auch?
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