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Mercedes B-Klasse Elektroantrieb: Erste Eindrücke

Blauer Mercedes-Benz Elektroauto fährt in urbaner Umgebung an Glas- und Steingebäuden vorbei.

Konzept und Technik des Mercedes B-Klasse Elektroantrieb

Was ist das?

Zu sehen ist eine nahezu serienreife Ausführung der Mercedes B-Klasse mit Elektroantrieb – die Bezeichnung sagt im Grunde schon alles: Sie fährt elektrisch. Und sie fährt.

Ein echtes Elektroauto – oder so ein Benzin-Strom-Mischling?

Rein elektrisch. Der komplette Antriebsstrang stammt direkt aus dem Tesla Modell S. Daimler hatte sich vor einiger Zeit mit einem kleinen Anteil an Tesla beteiligt und bereits beim vorherigen Smart fortwo mit Elektroantrieb gemeinsam mit den Kaliforniern entwickelt.

Einen zusätzlichen Benzin- oder Dieselmotor als Reichweitenverlängerer gibt es in dieser B-Klasse nicht – an Bord sind Kabel, Elektromotor, Akku und die passende Leistungselektronik.

Wie viel Leistung steckt drin?

Es sind 174 PS und 340 Nm Drehmoment, dazu eine zur Schonung der Batterie auf 161 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit. Gegenüber den gut 400 PS eines Tesla Modell S ist das eine deutliche Stufe darunter.

Allerdings: Eine B-Klasse mit 400 PS und Elektroantrieb war nie der Plan – weil bei Mercedes eben Mercedes entscheidet. Und so beschleunigt das Auto mit einem Einstufen-Getriebe in 7,9 Sekunden von 0–100 km/h; für eine B-Klasse ist das mehr als ausreichend.

Ist das denn wirklich eine B-Klasse?

Ja. Die Version mit Elektroantrieb läuft auf derselben Produktionslinie wie die normale B-Klasse, weil dafür keine grossen strukturellen Änderungen nötig waren.

Die aktuelle B-Klasse wurde mit einer Art „Halb-Sandwich“-Boden konstruiert. Dadurch entsteht mittig unter den Sitzen im Innenraum ein praktischer Hohlraum, den Mercedes hier als „Energieraum“ bezeichnet. In diese Aussparung hat Mercedes die 28 kW starke Lithium-Ionen-Batterie eingesetzt; Elektromotor und die übrige Elektro-Hardware sitzen vorn an der Stelle, an der sonst ein Verbrennungsmotor wäre.

Dann ist sie bestimmt leichter, oder?

Leider nein. Unterm Strich bringt sie rund 300 kg mehr auf die Waage als eine normale B-Klasse – als hätte man etwas-lustiges-das-auch-300-kg-wiegt zusätzlich dabei. Zum Beispiel einen kalifornischen Seelöwen. Oder ein Elefantenbaby.

Reichweite, Laden und Rekuperation

Wann muss ich mir Sorgen machen, dass der Saft ausgeht?

Stichwort „Reichweitenangst“. Mercedes kalkuliert im Alltag mit etwa 185 km bis zum nächsten Laden. Klar ist aber: Das hängt stark davon ab, ob man dauerhaft wie ein Irrer fährt – und auch davon, wie kalt es draussen ist, denn Temperatur beeinflusst den Ladezustand.

An einer 400-V-Ladestation soll der Akku nach 1,5 Stunden wieder voll sein. Ausserdem gibt es drei Fahrprogramme – D-, D und D+ – die man über die Schaltwippen am Lenkrad durchschalten kann.

Im ersten Modus (D-) greift beim Rollen eine kräftige Rekuperation, die mittlere Stufe (D) lässt die Energierückgewinnung spürbar, aber weniger ausgeprägt arbeiten, und D+ ermöglicht weitgehend ungehindertes Segeln. Bergab lässt sich die Geschwindigkeit sogar nur über die Wippen am Lenkrad steuern.

Fahreindruck und Preis

Und wie fährt sich das?

Leise. Geschmeidig. Durchzugsstark. Und – ja – wie eine ganz normale B-Klasse. Genau das war beabsichtigt. Weil das Auto auf der regulären Fertigungslinie entsteht, will Mercedes beim Elektroantrieb dieselbe Verarbeitungsqualität wie bei den konventionellen Modellen erreichen – und zugleich eine vertraute Umgebung bieten, die sich wie die „normale“ Version mit Verbrennungsmotor anfühlt.

Aus dem Stand schiebt die B-Klasse mit Elektroantrieb überzeugend an, auf der Autobahn geht Überholen sehr mühelos, das Fahrwerk wirkt gut gedämpft, komfortabel und insgesamt souverän. Auch die Geräuschdämmung im Innenraum ist gelungen – kaum ein zugartiges Surren – wobei man die recht ruppige Rekuperation im D--Modus im Blick behalten sollte.

Die Lenkung, für die veränderte Gewichtsverteilung neu abgestimmt, ist nicht die grosse Stärke: knapp neben der Mittellage fühlte sie sich etwas zäh an. Davon abgesehen bietet sie das typische B-Klasse-Programm. Angenehm.

Klingt gut, aber…

…wir rechnen mit einem saftigen Preis. Mercedes nannte uns den Preis des BMW i3 als brauchbaren Anhaltspunkt (über 30.000 £). Auf die Frage nach diesem Auto meinte Mercedes, dass Kundinnen und Kunden für ein „eigenständiges“ Elektroauto noch nicht bereit seien. Deshalb wurde diese B-Klasse so entwickelt, dass sie aussieht und sich verhält wie eine B-Klasse.

Solange nur wenige Käuferinnen und Käufer zu Elektroautos greifen, lohne es sich laut Mercedes nicht, riesige Summen zu investieren. Wenn die Nachfrage irgendwann deutlich anzieht, könne man mit einem Mercedes als „eigenständigem“ Elektroauto rechnen – also einem von Grund auf als Stromer konstruierten Modell, ähnlich wie beim BMW.

Die B-Klasse mit Elektroantrieb ist jedoch ein gutes, sauber gebautes Auto mit einem robusten Antrieb. Entscheidend ist am Ende ein vernünftiges Preisschild. Wie hoch es wirklich ausfällt, erfahren wir erst mit der finalen Serienversion.

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