Dies ist die Geschichte des Renault Safrane Biturbo, jener französischen Limousine, die es wagte, den deutschen Platzhirschen „die Stirn zu bieten“.
Der Safrane kam 1992 mit dem Auftrag auf den Markt, den Renault 25 abzulösen, und sollte als neues Aushängeschild im E-Segment etabliert werden. In der Praxis gelang es ihm jedoch nie, den deutschen Wettbewerbern wirklich gefährlich zu werden: Audi A6, Mercedes-Benz E-Klasse und BMW 5er.
Fairerweise muss man sagen: In den 90er-Jahren tat sich nicht nur der Renault Safrane schwer – praktisch keine grosse Limousine, unabhängig von Herkunft oder Marke, konnte dem deutschen Trio auf Dauer Paroli bieten.
Trotzdem bedeutete der Safrane im Vergleich zum 25 einen deutlichen Schritt nach vorn: spürbar solider, für seinen Komfort gelobt und dank praktischer fünfter Tür vielseitiger – ähnlich wie der Citroën XM.
Um sich aber von den Deutschen abzuheben – und ebenso vom Laguna, der fast alles bot, was der Safrane konnte, sogar einen V6, jedoch zum niedrigeren Preis –, brauchte es noch etwas Zusätzliches …
Pferde, viele Pferde…
Dieses „Mehr“ wurde Ende 1993 bekannt, als Renault alle überraschte und eine Hochleistungsversion seines Topmodells präsentierte: den Renault Safrane Biturbo – gemacht für schnelle Etappen auf der Autobahn. Damals war das der stärkste und teuerste Renault aller Zeiten; in den Handel kam er im Verlauf von 1994.
Der Name war Programm: Unter der Haube arbeitete derselbe 3,0‑Liter‑V6 PRV Biturbo mit 250 PS, wie er auch im Alpine A610 eingesetzt wurde – mit nur zwei Ventilen pro Zylinder, hier jedoch veredelt mit dem Know-how des deutschen Tuners Hartge, der vor allem für seine Umbauten von … BMW bekannt war.
Ursprünglich sollte das Ziel bei 300 PS liegen, doch am Ende wurde die Leistung auf 268 PS (365 Nm Drehmoment) begrenzt – angeblich wegen Grenzen des Handschaltgetriebes, das sich später ohnehin als etwas anfällig erwies.
„Stärker als der Safrane Biturbo waren nur Maschinen vom Kaliber eines BMW M5 (E34) oder eines Lotus Omega…“
Damit die Kraft zuverlässig auf die Strasse kam, setzte Renault auf den Allradantrieb Quadra 4WD. Mit diesen Daten sprintete der Safrane Biturbo in 7,2s von 0 auf 100 km/h; die Höchstgeschwindigkeit war auf beachtliche 250 km/h limitiert. Werte, die damals auf Augenhöhe mit Rivalen wie Mercedes-Benz E420, BMW 535i und Audi S6 4.2 lagen.
Klingt heute nicht spektakulär? Man muss es zeitlich einordnen: Es waren die 90er, lange vor dem heutigen PS-Überfluss. Selbst der Renault Safrane V6 mit demselben 3,0‑V6, aber ohne Turbos, leistete eher bescheidene 170 PS – heutzutage knacken schon Kleinwagen mit kleinen 1,6‑Liter‑Turbos die 200-PS-Marke …
Neben Hartge holte Renault für Karosserieanpassungen und die Montage noch einen zweiten deutschen Spezialisten ins Boot: Irmscher (bekannt vor allem für Veredelungen von Opel-Modellen). Dass ausgerechnet deutsche Häuser involviert waren, machte Renaults Ambitionen mit dem Safrane Biturbo unmissverständlich.
Es entstanden nur 806 Exemplare…
Trotzdem ist die Biturbo-Geschichte letztlich eine des Scheiterns. Der Wagen war nicht nur der stärkste und teuerste Renault, den es je gab – er wurde auch zu einem der exklusivsten, denn am Ende liefen nur 806 Einheiten vom Band, obwohl mehrere Ausstattungsvarianten angeboten wurden (RXE, Ellipse und Baccara).
Heute ist ein Renault Safrane Biturbo auf dem Gebrauchtmarkt nur schwer aufzutreiben, und wir gehen davon aus, dass seine Seltenheit ihn besonders für Sammler interessant macht.
Warum setzte sich der Renault Safrane Biturbo nicht durch?
Ohne grosse Überraschung scheiterte diese französische Super-Limousine vor allem an Positionierung und Image. Obwohl er technisch auf Augenhöhe mit Premium-Modellen stand, hatten Käufer von Mercedes-Benz, BMW oder Audi meist wenig Grund, sich ausgerechnet eine Renault-Limousine anzusehen.
Hinzu kam sein eher unauffälliger Auftritt im Vergleich zur Konkurrenz – und weder Preis noch Markenwahrnehmung halfen: umgerechnet etwa 90 000 Euro nach heutigem Preisniveau.
Angesichts des Misserfolgs investierte Renault zudem nie in eine Rechtslenker-Variante – obwohl der britische Markt weiterhin zu den grössten Abnehmern dieses Fahrzeugtyps zählt. Und 1996, dem Jahr der Modellpflege des Renault Safrane, entschied die französische Marke schlicht, den Biturbo nicht fortzuführen.
Über „Ruhm vergangener Zeiten“. Das ist die Rubrik von Razão Automóvel, die sich Modellen und Versionen widmet, die auf die eine oder andere Weise herausragten. Wir erinnern uns gern an die Maschinen, die uns früher träumen liessen. Komm mit auf diese Zeitreise hier bei Razão Automóvel.
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