Idee: zurück zum klassischen BMW-Gefühl
Könnte das ein 2002Tii für unsere Zeit sein – oder vielleicht ein wiedergeborenes E36 328i Coupé?
Gut möglich. Erinnerst du dich noch an BMW als „ultimative Fahrmaschine“ – an Autos, die unkompliziert und klar waren, dabei aber spürbar hochwertig und mit einem ordentlichen Schuss Fahrspass? Lass die X-Modelle unter den SUVs beiseite, ebenso die super-effizienten kleinen Diesel und ganz egal auch die i-Modelle. Selbst die immer grösseren, immer komplexeren M-Fahrzeuge zählen hier nicht. Gemeint ist das, wofür BMW früher stand: kompakt, Hinterradantrieb, fein konstruiert – und wenn irgend möglich ein Reihensechszylinder.
BMW M235i im 2er Coupé: ein gutes Zeichen
Die Vorzeichen stehen also gut. Aber hast du das nicht auch schon beim M135i als Kompakten gesagt?
Schon – nur ist dieses Mal zunächst entscheidend: Es ist ein Coupé. Und BMW ist im Kern eben keine Marke, deren Herz für Schrägheck-Modelle schlägt. Das neue 2er Coupé, an dessen Spitze dieser M235i steht, tritt die Nachfolge des früheren 1er Coupé an. Und hier geht es um die „Semi-M“-Variante. Genau so ein Coupé war es, bei dem man sich zuletzt fragte, ob BMW überhaupt noch weiss, wie man so etwas baut.
Fahrwerk und Strassenlage: klarer als beim M135i
Aber beim M135i hast du am Ende doch ein paar Risse in der Perfektion gefunden, oder?
Ja: Sobald wir ihn auf wirklich verwundenen, korkenzieherartigen Strassen hart rangenommen haben, begann er zu arbeiten – die Karosserie wankte spürbar, und die Lenkung wirkte etwas diffus. Der M235i räumt diesen Schleier weg. Selbst im Vergleich zum M135i sind Federn und Dämpfer straffer abgestimmt; das reduziert die Wankbewegungen, hält die Karosserie sauberer unter Kontrolle und macht die Lenkung zugleich präziser. Dieses neue Coupé wirkt regelrecht auf die Strasse geschraubt.
Der Grip ist üppig, dazu kommt eine schöne Balance: Alle vier Reifen ziehen gemeinsam durch den Bogen, als würden sie sich absprechen. Und wenn das Auto im Kurvenradius schön „geladen“ ist, lässt sich die Balance über das Gaspedal fein nachjustieren.
Motor und Getriebe: Reihensechser mit Turbo und 326bhp
Apropos Gaspedal: Habe ich da „Reihensechser“ gehört?
Oh ja. Ein Reihensechszylinder, aufgepumpt mit BMWs schnell ansprechendem Turbo. Hier stehen 326bhp an, und während der Motor mit Freude über 7000 dreht, schiebt er gleichzeitig schon deutlich unter 3000 kräftig an – und klingt dabei angenehm kernig. Von der zähen Schwäche abseits des Ladedrucks, wie man sie beim rivalisierenden Vierzylinder Mercedes A45AMG kennt, bleibt kaum etwas übrig.
Zur Wahl steht eine Achtgang-Automatik, die Gangwechsel nahezu fehlerfrei hinlegt und mit einem Startprogramm 0-62 in 4.8seconds ermöglicht. Doch wenn es um die einfachen Freuden geht, für die dieses Auto steht, spricht vieles dafür, beim – nun ja – Schaltknüppel zu bleiben: dem Sechsgang-Handschalter.
Sitze, Komfort und Geräuschniveau
Die Sitze sehen etwas gewöhnlich aus. Halten sie dich bei der ganzen Hatz wirklich fest?
Gerade so ausreichend. Der Punkt ist: Dieses Auto will auch bequem sein. Die Federung wirkt nicht hart – besonders dann nicht, wenn man die fair bepreiste Option mit adaptiven Dämpfern wählt und in den Komfortmodus schaltet. Bei Reisetempo bleibt es ausserdem angenehm leise. In dieses Bild passen die eher weich gepolsterten Sitze als Teil seiner komfortorientierten Seite.
Preis und Kritikpunkte
Das muss doch teuer sein.
Erstaunlicherweise nicht wirklich. Für den Handschalter werden £34,250 fällig, Leder ist dabei. Adaptive Dämpfer wären eine sinnvolle Ergänzung, dazu vielleicht Parksensoren und das einfache Navigationssystem – und auch diese Extras treiben den Preis nicht übermässig in die Höhe. Gemessen an Leistung und Können ist das ein echtes Schnäppchen.
Himmel – gibt es überhaupt etwas, das er nicht kann, ausser den Weltfrieden zu bringen?
Gut, hier kommt die Liste: Die Bremsen könnten beim ersten Zupacken etwas mehr Biss vertragen. Die Lenkung liefert nicht besonders viel Rückmeldung, sodass man sich stärker auf das (grosszügig vorhandene) Gefühl im Hintern verlassen muss, um zu verstehen, was unten an der Strasse passiert. Und obwohl er deutlich besser aussieht als das alte 1er Coupé, ist er trotzdem nicht das schönste Auto weit und breit. Wer sein Auto eher „tragen“ als fahren will, wird weiterhin zum 4er greifen. Und ja – seine diplomatischen Fähigkeiten sind mindestens noch nicht bewiesen.
Klingt nicht so, als würde dich das davon abhalten, einen haben zu wollen.
Nein. Ganz sicher nicht.
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