BMW, Volvo, Google und Samsung SDI gehören zu den ersten Unternehmen, die den Aufruf des World Wildlife Fund (WWF) für ein Moratorium beim Tiefseebergbau unterschrieben haben.
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation verpflichten sich die Unterzeichner dazu, keinerlei Mineralien vom Meeresboden zu beziehen, solche Rohstoffe aus ihren Lieferketten auszuschliessen und keine Aktivitäten zur Förderung am Ozeanboden zu finanzieren.
Hintergrund ist ein Gebiet im Pazifik in 4 km bis 6 km Tiefe: Über eine weiträumige Zone, die sich über viele Kilometer zwischen Hawaii und Mexiko erstreckt, liegen besonders grosse Vorkommen an polymetallischen Knollen.
Polymetallische Knollen, was sind das?
Diese Knollen (sie erinnern eher an kleine Steine), die etwa 1 cm bis 10 cm gross sein können, sind Ablagerungen aus Ferro-Mangan-Oxiden sowie weiteren Metallen – darunter solche, die für die Batterieproduktion benötigt werden.
Sie kommen in allen Ozeanen und sogar in einigen Seen vor. Auffällig ist, dass sie lose auf dem Meeresboden liegen und deshalb keine Bohrungen erforderlich sind.
Das Thema wurde bereits früher aufgegriffen – unter anderem, als DeepGreen Metals, ein kanadisches Unternehmen für Tiefseebergbau, die Förderung am Ozeanboden als Alternative zum Bergbau an Land ins Spiel brachte.
Angesichts knapper werdender Rohstoffe für die grosse Zahl an Batterien, die wegen des zunehmenden Drucks zur Markteinführung von Elektrofahrzeugen gebraucht werden, erscheint der Abbau dieser polymetallischen Knollen vom Meeresboden als mögliche Lösung.
Welche Nachteile gibt es?
Allerdings ist über das Ökosystem und die Artenvielfalt in den vorgesehenen Sammelgebieten am Meeresboden bislang zu wenig bekannt. Entsprechend unklar bleibt, welche realen Folgen ein solcher Eingriff für dieses Ökosystem hätte. Genau das ist der zentrale Grund, auf den sich das vom WWF geforderte Moratorium stützt.
„Da ein grosser Teil des Ökosystems am Meeresboden noch erforscht und verstanden werden muss, wäre eine solche Aktivität unklug kurzsichtig“, erklärte die NGO laut Automotive News.
In diesem Sinne fordert das Moratorium, Aktivitäten zum Tiefseebergbau so lange zu untersagen, bis die Risiken vollständig verstanden sind und alle Alternativen ausgeschöpft wurden.
BMW, Volvo, Google und Samsung SDI zeigen Solidarität
Wie Automotive News berichtet, hat BMW bereits betont, Rohstoffe aus dem Tiefseebergbau seien derzeit „keine Option“, weil es nicht genügend wissenschaftliche Erkenntnisse gebe, um die Umweltrisiken bewerten zu können.
Samsung SDI teilte zudem mit, man sei der erste Batteriehersteller, der sich der WWF-Initiative anschliesse. Volvo und Google äusserten sich zu dieser „Positionierung“ bislang nicht.
Trotz des nun unterzeichneten Aufrufs zur Aussetzung setzen Unternehmen aus dem Bereich Tiefseebergbau ihre Vorbereitungen fort und versuchen, die notwendigen Genehmigungen für diese Tätigkeiten zu erhalten.
Zu den Firmen, die bislang über Explorationslizenzen für Meeresboden-Gebiete verfügen, zählen DeepGreen (bereits oben erwähnt), GSR und UK Seabed Resources.
DeepGreen zählt zu den wichtigsten Befürwortern dieser Vorgehensweise und argumentiert, sie sei nachhaltiger als Bergbau an Land – unter anderem, weil weniger Abfall anfalle und die Knollen deutlich höhere Metallkonzentrationen aufwiesen als viele Lagerstätten an Land.
GSR erklärte über seinen Managing Director Kris van Nijen, man werde „sich nur dann um einen Bergbauvertrag bewerben, wenn die Wissenschaft zeigt, dass Meeresbodenmineralien aus ökologischer und sozialer Sicht Vorteile gegenüber der Alternative haben – nämlich sich ausschliesslich auf neue und bestehende Minen an Land zu verlassen“.
Norwegen will Pionier sein
Norwegen, das 2020 als erstes Land weltweit erreichte, dass Elektroautos mehr als 50% der neu verkauften Fahrzeuge ausmachen, möchte beim Tiefseebergbau eine Vorreiterrolle übernehmen und könnte bereits 2023 Genehmigungen erteilen.
Gegenüber Automotive News wollte Tony Christian Tiller, Staatssekretär im norwegischen Ministerium für Erdöl und Energie, das Moratorium nicht kommentieren. Er bestätigte jedoch, die Regierung habe „einen Prozess zur Öffnung für den Tiefseebergbau eingeleitet, bei dem Umweltbedingungen ein Schlüsselbereich der Folgenabschätzung sind“.
Quelle: Automotive News.
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