Vom Ur-Atom zum Ariel Atom 3.5R
Kaum zu glauben, dass der Ariel Atom – das Beste, was seit der A303 aus Somerset gekommen ist – inzwischen 14 Jahre auf dem Buckel hat. In Autoleben gerechnet wäre das längst rentnerreif, doch der Atom wirkt weder alt noch angestaubt. Das ist der Vorteil eines Fahrzeugs ohne Karosserie: ein Rohrrahmen wie ein Gerüst, an den sich Bauteile nach Belieben anschrauben und über die Jahre immer wieder aufrüsten lassen. Vom ursprünglichen Atom aus dem Jahr 2000 ist beim aktuellen 3.5R im Grunde nur noch genau dieses Konzept des Gitterrohrrahmens übrig.
Alles andere ist neu – und brutal durchsetzungsstark. Der 3.5R ist die klar auf die Rennstrecke zugeschnittene Version des Atom 3.5 aus 2012 mit 310bhp. Zwar bleibt es beim gleichen aufgeladenen Honda-Vierzylinder, doch die Leistung steigt auf 350bhp.
Technik-Update: Ariel Atom 3.5R mit Sadev-Sechsgang-Sequenzialgetriebe
Statt des Handschalters des 3.5 kommt ein eng abgestuftes, rallyetaugliches Sadev-6-Gang-Sequenzialgetriebe zum Einsatz, geschaltet über Schaltwippen am Lenkrad. Dazu fallen neue Sidepods auf, die Motor und Getriebe mit Kühlluft versorgen. Und wer besonders genau hinsieht, entdeckt rundum verstellbare Öhlins-Dämpfer.
Antrieb, Geräuschkulisse und Beschleunigung
Was das unterm Strich bedeutet? Sehr wahrscheinlich der bisher schnellste Atom: Auf verwinkelten Kursen soll er laut Ariel sogar flotter sein als der enthemmte Atom V8 mit 500bhp – dank eines breiteren Drehmomentbandes schon bei niedrigen Drehzahlen. Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird offiziell mit 2.6 seconds angegeben, doch selbst diese absurde Zahl trifft nicht wirklich den Kern dessen, wie wütend, kreischend und scheinbar masselos der 3.5R Tempo aufbaut. Dieser Atom ist eine derart heftige Attacke auf die Sinne, dass man in den ersten Vollgas-Sprints in einem merkwürdigen Gefühlszwischenraum landet: gleichzeitig kichernd vor Freude und wimmernd vor Ehrfurcht.
Auch das Sequenzialgetriebe ist ein wunderschöner Grobian: Gangwechsel schnalzen schneller, als man denken kann – nur ein winziger Mikro-Aussetzer in der Leistung, dann hakt der nächste Gang ein und prügelt einen durch die Landschaft. Beim Runterschalten gibt es zudem einen geradezu lächerlichen, Richter-Skala-würdigen Knall aus dem Auspuff: ein doppelläufiger Schrotflinten-Schlag, der Vögel noch in rund acht Kilometern Entfernung aus den Bäumen scheuchen dürfte.
Fahrverhalten und Einsatzbereich
Trotzdem ist der 3.5R nicht wirklich furchteinflössend. Es gibt keine nervöse Zickigkeit am Limit: Er fährt eher neutral durch Kurven, statt plötzlich in bissiges Übersteuern zu kippen. Genau das macht ihn so effektiv – es ist ein Auto, mit dem man schneller fahren kann, als man es sich selbst zugetraut hätte.
Und obwohl der Kompressor-Vierzylinder und das rennsportnahe Sequenzialgetriebe nach Stress klingen, gibt sich dieser Atom im Schritttempo erstaunlich zahm und unkompliziert – fast so gutmütig wie ein betäubter Welpe. Kein Geruckel bei niedriger Geschwindigkeit, ein kräftiges Drehmoment über das gesamte Drehzahlband, und selbst die knirschenden Schaltvorgänge des geradeverzahnten Getriebes lassen sich mit einem kurzen Tritt auf die Kupplung glätten.
Als Alltagsauto taugt er dennoch nicht: Dafür ist der 3.5R schlicht zu kompromisslos. Aber als Fahrzeug, das einen zur Rennstrecke bringt und dort alles bis auf einen McLaren P1 blamiert, bleibt der Atom der König.
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