Konzept und Einordnung
Was ist das?
Der Exige V6 Cup ist Lotuss Antwort auf den Porsche 911 GT3 RS: eine nochmals radikalere, noch stärker abgespeckte und messerscharf zugeschnittene Variante des ohnehin extremen Exige. Unterm Strich ist das ein Auto, das sich auf der Rennstrecke genauso zu Hause fühlt wie auf der Landstrasse.
Noch kompromissloser als ein Exige?
Ja. Viel weiter kann Lotus bei einem Strassenwagen kaum gehen – und damit, ehrlich gesagt, auch kaum irgendein anderer Hersteller bei einem Auto mit Strassenzulassung.
Was Lotus am Exige V6 Cup verändert hat
Was wurde alles umgebaut?
An Bord sind ein kompletter Überrollkäfig (praktisch: er lässt sich sinnvollerweise auch leicht demontieren), ein fest installiertes Feuerlöschsystem, ein elektrischer Notausschalter und Vierpunktgurte – dazu kommen weitere Massnahmen, um Gewicht zu sparen. Radio und Lautsprecher fliegen raus, ebenso sämtliche Geräuschdämmung und die Airbags. Ausserdem verbaut Lotus einen besonders leichten Sitz.
Das Ergebnis: Der Cup ist satte 60 kg leichter als der normale Exige – der war nun wirklich schon kein Schwergewicht.
Sieht er deutlich anders aus?
Ein wenig. Auf dem Heckflügel sitzen zwei Union-Jack-Flaggen, dazu kommen ein paar Partien in mattem Schwarz und ein V6-Cup-Aufkleber an den Seitenschwellern. Innen findet sich „V6 Cup“ als Stickerei auf dem Armaturenbrett.
Kann man damit tatsächlich Rennen fahren?
Ja. Obwohl der Cup eine Strassenzulassung hat, ist er gleichzeitig für zahlreiche Motorsportveranstaltungen weltweit zugelassen – von Grossbritannien bis China. Im Grunde muss der Besitzer nur an einer Strecke auftauchen, ein paar Startnummern auf die Türen kleben und kann losfahren.
Fahreindruck: Rennstrecke und Strasse
Wie gut ist er auf der Strecke?
Mehr als nur ein bisschen gut. Das Auto reagiert so direkt und teilt sich so klar mit, dass einem fast der Kopf brummt – weil permanent Informationen zurückkommen.
Der aufgeladene V6 ist ebenfalls hervorragend. Obwohl Leistung und Drehmoment identisch mit dem Exige S für die Strasse sind (345 bhp und 295 lb ft; grob ≈ 350 PS und ≈ 400 Nm), wirken Motor und Klang durch die Diät und die fehlende Dämmung deutlich dringlicher und aggressiver.
Dazu gibt es eine Traktionskontrolle mit vier Stufen (Tour, Sport, Rennen und Aus), und das Auto „lernt“ aktiv das vorhandene Gripniveau. Heisst: Die erste nasse Kurve kann sich noch etwas unaufgeräumt anfühlen, während der Cup ermittelt, wie viel Drehmoment gerade passt – die nächste läuft dann zähflüssig-smooth wie Sirup. Hier geht es um Unterstützung, nicht ums Ausbremsen.
Und auf der Strasse?
Die ganze Brillanz kann anstrengend werden. Die Lenkung redet so ununterbrochen mit, dass man sich beim entspannten Rollen auf der Autobahn irgendwann wünscht, sie würde kurz leiser werden – als Alltagsauto ist das klar eher ein Zweitwagen. Wirklich erholsam fährt er nicht: Der Cup taucht stark ein und folgt der Fahrbahnneigung (dem Quergefälle) sehr ausgeprägt, und die Abrollgeräusche sind allgegenwärtig – deutlich stärker als im normalen Exige.
Trotzdem ist das Fahrwerk im Grundcharakter sehr nah am Standard-Exige. Kurze, harte Kanten kommen etwas straffer durch, aber über längere Wellen bewegt sich der Cup erstaunlich komfortabel und stimmig.
Lohnt sich das überhaupt?
Seien wir ehrlich: Niemand kauft einen normalen Exige wegen Massagesitzen und Wellness-Atmosphäre. Wenn das ohnehin nicht der Punkt ist, kann man auch konsequent sein, die rund 10.000 Pfund Aufpreis hinlegen und den Cup nehmen. Er ist kompromissbehaftet – aber wann bist du zuletzt einen Lotus gefahren, der es nicht war?
8/10
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